UNESCO Weltnaturerbe - Buchenwälder in europäischer Kultur


Der Buchenwald des Nationalparks Jasmund soll den Status UNESCO Weltnaturerbe bekommen. Nicht nur als Ökosystem ist der Wald weltweit einzigartig. Auch kulturgeschichtlich kann die Buche als außergewöhnlich bezeichnet werden, denn sie ist tief mit der europäischen Kultur verbunden.

Die Buche stellte in Europa einst die dominante Waldform dar. Ihre Ausbreitung nach der letzten Eiszeit verlief zeitgleich mit der Sesshaftwerdung des Menschen und der Ausbildung höher organisierter Gesellschaftsformen. Daher ist zu erklären, dass der Baum in vielen Bereichen europäischer Zivilisation eine Rolle spielte. So wurde in der Naturheilkunde Buchenrinde unter anderem als fiebersenkendes Mittel und bei Erkältungskrankheiten eingesetzt. Buchenholz war jahrhundertelang einer der wichtigsten Energielieferanten, denn es war für die Meilerei und als Holzkohle sehr gut geeignet. Und das „Buch“ erhielt seinen Namen, als Tafeln aus Buchenholz beschriftet, zusammengeheftet und als Lektüre verbreitet wurden. Gleichen Ursprungs ist auch das Wort „Buchstabe“.

Über 1.500 Orts- und Landschaftsnamen lassen sich in Deutschland auf den außergewöhnlichen Baum zurückführen. Über 50 Ortschaften tragen allein den Namen Buchholz. Auf dem Wappen der Stadt Bocholt in Nordrhein-Westfalen ist eine Buche abgebildet, denn der Name entwickelte sich aus „Buchenholz“. Die Stadt Bochum hieß einst „Buchenhain“, denn zur Gründungszeit war das Gebiet von Buchen bewachsen.

Auch im Volksglauben unserer Vorfahren war die Buche fest verwurzelt. So sollte man bei Gewitter gerade unter diesem Baum Schutz suchen, da er wohl nur selten vom Blitz getroffen werde. Schlug man im November eine Kerbe in den Baum und war diese trocken, dann stand ein harter Winter bevor. Ebenfalls einen strengen Winter oder eine bevorstehende Mäuseplage bedeutete es, wenn im Herbst viele Bucheckern zu finden waren. In der Schweiz existiert bis heute das Sprichwort: „Vil Buech, vil Fluech“.

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info@koenigsstuhl.com

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